Kommentar Ernährungsreport 2019

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Zur Veröffentlichung des Ernährungsreports 2019 einige Bemerkungen von Ingrid Krümel-Seltier.

Vor wenigen Tagen wurde der 4. Ernährungsreport vom BMEL durch Julia Klöckner vorgestellt. Auf 37 Seiten werden die Ergebnisse einer Befragung von 1000 Bundesbürgern zum Konsum- und Ernährungsverhalten präsentiert. Für 99% der Befragten ist laut Report der Geschmack der Speisen das Wichtigste, worauf es beim Essen ankommt. Für die Gesundheit votieren 91% und für eine einfache Zubereitung 48%. Der Preis scheint mit 32% nicht so bedeutsam zu sein. Bei der Frage, was täglich gegessen wird, sind Obst und Gemüse mit 71% die Spitzenreiter. Milch und Milchprodukte erreichen 64%, Fleisch und Wurstwaren 28%.

Die Freude über die deutliche Bevorzugung von Obst und Gemüse wird aber dadurch getrübt, dass genau diese Produkte am häufigsten weggeworfen werden (34%). Alle anderen Lebensmittelgruppen  rangieren deutlich dahinter, z.B. Brot und Backwaren mit 14%, Milch- und Milchprodukte mit 9%. In jedem Fall ging es hier um Abfälle, die nach Angaben der Befragten noch genießbar gewesen wären. Schon im Vorwort freut sich die Ministerin darüber, dass wir Deutschen immer bewusster kaufen und essen und mehr auf Siegel achten. Bei der Befragung behauptet jeder zweite, dass er immer oder meistens auf Bio-Siegel achte, für 42% ist das Tierwohl wichtig.

Ob es bei der weiteren Befragung um Erwartungen an die Landwirtschaft oder um Lösungen für eine wachsende Weltbevölkerung ging, immer dokumentieren die Umfrageergebnisse ein scheinbar hohes Interesse an der Umweltverträglichkeit der Produktion von Lebensmitteln und an artgerechter Tierhaltung. 13% der Befragten wären nach den Angaben im Report bereit, bis zu 2€ mehr für ein Kilo Fleisch zu bezahlen, das tierfreundlichproduziert wurde, 50% würden 5€ mehr zahlen, 22% geben sogar bis zu 10€ an.

Zu diesen Aussagen passt aber überhaupt nicht das reale Kaufverhalten vieler Konsumenten in der konkreten Situation. Da ist im Supermarkt oder beim Discounter der Griff zu Billigfleisch doch zu verführerisch, zumal ja oft irgendein Siegel auf der Verpackung prangt. Und diese freiwilligen Angaben der Hersteller nutzen immerhin 70% der Konsumenten als Informationsquelle. Das freut die Hersteller ebenso wie die Ministerin, die bei vielen wichtigen Entscheidungen, die sie treffen müsste, lieber auf die freiwillige Selbstverpflichtung von Produzenten, Industrie und Handel baut. So soll auch die Teilnahme an der geplanten dreistufigen Tierwohl-Kennzeichnung für die Produzenten freiwillig sein.