Filmtipp: Sodom (Konsumkritik)

Aus der Textil- oder Lederindustrie kennen wir den gigantischen Unterschied zwischen dem schönen Schein der Werbung und den realen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Produkte.

In diesem Film wird nun schonungslos dokumentiert, wie es am Ende der Wertschöpfungskette von Elektronik-Geräten aussieht.  „Sodom“ ist eine Deponie am Rande der ghanaischen Hauptstadt Accra, sie ist Endstation für Elektronik- und Elektroschrott aus vielen Teilen der Welt. Rund 6000 Menschen, überwiegend junge Männer, aber auch Kinder, zerschlagen hier die Geräte in Einzelteile, schmelzen Monitore und Kabelknäuel in pechschwarzen Rauchwolken und gewinnen so wertvolle Rohstoffe wie Aluminium und Kupfer zurück. Es ist alles andere als eine fachgerechte Entsorgung. Es ist zwar Recycling total, denn fast nichts bleibt übrig, aber das ehemalige Naturparadies ist zu einem der giftigsten Orte der Welt geworden.

Der Film verzichtet vollständig auf erläuternde Kommentare oder Zahlen. Vielmehr werden Menschen mit ihren Lebensumständen im Alltag porträtiert. Ihr tagtäglicher Kampf um einen geringen Verdienst steht im Vordergrund, ihr Kampf um ein bescheidenes Auskommen, das es möglich macht, diesen Ort bald wieder verlassen zu können. Erst im Abspann ist zu lesen, dass jährlich rund 250.000 Tonnen Elektronik-Schrott illegal, auch aus der EU, nach Accra gelangen. Da fragt man sich natürlich, wie dies geschehen kann, wo doch ein Exportverbot für diesen Müll in der EU besteht. Findige Geschäftemacher deklarieren den Inhalt der Container als „gebraucht“ und schon steht dem Transport nach Ghana nichts mehr im Wege.


I.K-S

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